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Social Welfare Center

Zentrum des Ordens ist auch heute noch das Social Welfare Center in Indore, Madhya Pradesh. Hier befindet sich nicht nur die Verwaltung des Ordens, es ist das Herzstück eines Lebenswerks. Wer das Tor passiert, lässt Hektik, Lärm und Dreck des indischen Alltags hinter sich und betritt einen Ort der Fürsorge.

Steingewordener Beweis dafür ist "Hamara"( zu dt. "von uns"), das Haus in dem Mutter Baptistas Kinder wohnen. Man hat sie als Babys hier abgegeben oder auf der Straße gefunden. Die Jüngeren besuchen inzwischen das College, die Älteren haben Berufe gelernt, geheiratet und gehen ihre eigenen Wege. Von Kindern kann man also fast nicht mehr sprechen. Die gibt es auf dem Gelände dennoch zahlreich: für Kinder, deren Eltern beide arbeiten müssen, um die Familie zu ernähren, die tagsüber folglich also alleine wären, haben die Schwestern einen Kindergarten und eine Vorschule eingerichtet. Die Kleinsten sind erst zwei oder drei Jahre alt. Sie lernen hier Dinge, wie zum Beispiel selbstständig auf Toilette zu gehen. Es werden Lieder gesungen, das Alphabet und Zählen geübt, gespielt und getobt. Viele werden bis zum Abend betreut. Aber nicht nur die Kinder finden an diesem Ort Zuflucht. Im Shantiniketan, dem "Haus des Friedens", leben alte Menschen, die entweder keine Angehörigen mehr haben oder deren Verwandten sie nicht selbst pflegen können, da sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Einige sind dement, die meisten so gebrechlich, dass sie das Haus kaum mehr verlassen können. Rund um die Uhr sind Schwestern anwesend, die all das übernehmen, was die Kraft der Bewohner übersteigt. Vielleicht viel wichtiger als die körperliche Pflege ist aber, dass sie ihren Geschichten und Liedern lauschen, sie trösten und bis zum letzten Atemzug begleiten. In der Näherei, der Kerzenwerkstatt, als Haushaltshilfe oder Fahrer haben im Social Welfare Center außerdem viele Menschen eine Anstellung gefunden, denen sonst eine geregelte Arbeit verwehrt bliebe. Es sind vorwiegend Frauen, die täglich kommen und mit ihrem Verdienst ein Stück Unabhängigkeit und Würde zurückgewinnen. Desweiteren beherbergt das Social Welfare Center eine Krankenstation. Von hier aus startet die mobile Ambulanz mehrmals wöchentlich, um die Menschen in den Leprakolonien zu versorgen.

Zur "Nanda Nagar family", benannt nach dem Stadtteil, in dem sich das Social Welfare Center befindet, gehören auch die Novizinnen und Postulantinnen des Ordens. Sie dürfen hier Erfahrungen sammeln und lernen, was es heißt, sein Leben in den Dienst der Allerärmsten zu stellen. Sie erhalten eine weitere Ausbildung zur Krankenschwester, Lehrerin oder Sozialarbeiterin. Es besteht für sie die Chance auf ein Studium.

Das Social Welfare Center ist ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit, des Lernens und der Arbeit, der Erinnerung und der Zukunft. Hier hat Mutter Baptista ihre Ruhestätte gefunden, inmitten derjenigen, die ihr Lebenswerk weiterführen und die Hoffnung nicht aufgeben.

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