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Na Mahlzeit!

23 Kinder sind im Nordosten Indiens an einer Lebensmittelvergiftung gestorben – sie hatten in der Schulkantine gegessen.

Die kostenlose Mahlzeit in der Schule ist seit Mitte der 90er Jahre Teil der landesweiten Bildungsoffensive der indischen Regierung.  In erster Linie erhofft man sich dadurch den Schulbesuch attraktiver zu machen, außerdem gilt es die durchschnittlichen Schülerfehlzeiten zu drücken und die Anwesenheit zu erhöhen. Aus pädagogischer Sicht dürfte diese Maßnahme besonders wertvoll sein, weil ein hungriger Schüler  Probleme hat sich auf den Unterricht zu konzentrieren und weniger aufnahmefähig ist. Eine ganze Klasse hungriger Schüler dürfte erst recht unruhig sein und das erschwert ein Vorankommen im Unterricht doch erheblich. Es gilt also nicht nur die Schule an sich aufzuwerten, sondern auch die Voraussetzungen für einen hochwertigeren Unterricht zu schaffen.

Derzeit erhalten etwa 110 Millionen Schüler der Klassen eins bis acht eine Mahlzeit, deren Nährwert laut Regierung je nach Alter zwischen 300 und 700 Kalorien liegen sollte. Festgelegt ist außerdem, dass eine Mahlzeit 30 Gramm Hülsenfrüchte und 70 Gramm Gemüse enthalten sollte. Leider stellt die Regierung lediglich das Getreide, also Reis und Weizen, und zwar zwischen 100 und 150 Gramm pro Schüler und Tag. Der Betrag mit dem sich die Regierung an den Kosten für die weiteren Komponenten der Mahlzeit beteiligt, beläuft sich auf lächerliche 4 bis 6 Cent pro Schüler und Tag! An den weiteren entstehenden Kosten, wie zum Beispiel Transportkosten, Bezahlung der Küchenkräfte und den Kosten für die Überwachung des Programms, beteiligt sich die Regierung zwar ebenfalls, allerdings in ähnlich geringem Maß. So erhält eine Küchenkraft von der zentralindischen Regierung umgerechnet etwa 13€  Monatslohn. 2,6 Millionen Menschen sind auf diese Weise beschäftigt – jeder von ihnen kocht im Schnitt für 43 Kinder.

Man beschränkt sich in der indischen Regierung offensichtlich darauf, Reis zu liefern und hofft, dass die Bundesstaaten, Distrikte und Schulen auf eigene Kosten daraus eine vollwertige Mahlzeit für ihre Kinder zaubern. Und dass, wo doch den Lehrern und Angestellten bei ihren mickrigen Gehältern selbst der Magen knurrt. Vor diesem Hintergrund sollte es nicht länger rätselhaft erscheinen, wie es dazu kommen kann, dass das Essen in der Schulkantine mit giftigem Insektizid verseucht ist.

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